Western      Armenien

Die Burg Khromkla, heute bekannt als Rumkale

Khromkla; Sicht vom Euphrat

Westeingang der Burg

              In einem unbewohnten Gebiet, am rechten Flussufer des Euphrats zwischen Gaziantep und Sanliurfa befindet sich eine grosse Festung, die Khromkla (Rumkale auf türkisch) genannt wird. Die Festung war einst der Wohnsitz des wichtigsten armenischen Catholicos zwischen 1149 bis 1292.

              Doch zuerst einmal einige wichtige Daten  über das armenische Königreich von Cilicia. Nur so kann man die historische Bedeutung dieser Festung erfahren.

 

              Aufblühende Regionen am Mittelmeermeer und ihre Städten am Meeresufer - dazu gehören Mersin, Tarsus und Adana – dehnten sich  Richtung Nordosten bis zu Harberd (Harput, zur Zeit Elazig) aus, waren aber ursprünglich nicht armenisch. Im 11. Jahrhundert gliederte das Byzantinische Reich auch armenische Länder des Ani- und Vaspourakan-Königreichs ein, womit die Armenier begannen, von ihren ursprünglichen Gebieten in die inneren Länder des Byzantinischen Reichs abzuwandern. Als Gegenleistung erhielten armenische Adlige von den Byzantinern entsprechende Gebiete, die sie selbst verwalten konnten, die sie aber dementsprechend verteidigen und christianisieren mussten. Die Migration war so umfangreich, daß im Jahre 1080 Ruben I. , der Gründer der Rubeniden-Dynastie, das armenische Königreich von Cilicia gründete. Das Königreich kämpfte drei Jahrhunderte lang erfolgreich gegen die alten streitsüchtigen, islamischen Nachbarn (den Seldschuken und ägyptischen Mameluken).

 

              Kurz nachdem das neue armenische Königreich in den Cilicianischen Bergen gegründet wurde, wurde das byzantinische Reich - nicht immer ohne Blutvergiessen - von den Seldschuken übernommen: sowohl die armenischen Länder als auch fast alle Gegenden Kleinasiens kamen in die Hände der Seldschuken. Im Gegenteil dazu bildeten die Cilicianischen Armenier die unterschiedlichsten Anti-Muslim-Koalitionen, mit denen sie sich erfolgreich ihren Feinden entgegensetzen. Dadurch konnten die Armenier ihr Königreich sogar um ein beträchtliches Stück vergrössern.

 

              Die Gregorianische Kirche wurde zur neuen Mitte des armenischen Lebens. Nachdem der Hauptsitz der Catholicos innert eines Jahrhunderts drei Mal gewechselt hatte (Thavblour, Dzamendav u. Dzovk), fand der Wohnsitz von Catholicos schließlich seinen Platz in der Khromkla Festung und blieb dort für anderthalb Jahrhunderte.

Dort wurden die wichtigsten Entscheidungen gefällt, mit denen der Kurs der Geschichte gesteuert wurde. Zum Beispiel wiesen die Armenier in Khromkla am „Episkopalen Rat“ 1779 die Integration von Byzanz und die Einführung der armenischen Kirche zurück. Ausserdem lehnten sie es ab, Chalcedon als den Ökumenischen Rat anzunehmen.

 

              Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts war das armenische Königreich von Cilicia  ständig im Krieg mit den ägyptischen Mameluken gewesen. Infolgedessen wurden in den 1280er Jahren viele christliche Dörfer nahe Khromkla verwüstet, und 1293 wurde die Festung selbst eingenommen. Der Thron des Catholicos aller Armenier musste nach Sis, der Hauptstadt Ciliciens, verlegt werden. Und 1375 wurde das Königreich völlig zerstört.

 

              Heute leben die verbliebenen Armenier nur noch in einigen Dörfern der Hatay Region, in der Nähe des Musa Dagh (Moses Berg); drastische Fälle des Anfanges des 20. Jahrhunderts sind im Franz Werfels` Roman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" (The Forty Days of Musa Dagh) bildlich dargestellt.

 

 

             

              Noch heute macht Khromkla den Eindruck einer unantastbaren Festung. Es ist noch heute möglich, die Reste der Surp Nerses Kirche sowie viele Höhlen und Ruinen aus der damaligen Epoche zu sehen. Seit dem Bau des Euphrat-Damms ist das Wasserniveau deutlich gestiegen; der Fluss umschliesst  den Felsen, auf dem die Festung steht, wie eine einzige Insel. Gleichzeitig wurden die fruchtbaren gebiete am Flussufer, welche von den dort lebenden Kurden bebaut wurden, völlig überschwemmt. Ganze Dörfer – und zwei Drittel der Stadt Halfeti – stehen heute wohl für immer unter Wasser.

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Sie ausführliche Bilder der Basreliefs am Südturm.

Basreliefs.

 

             

              Offensichtlich war einst auf dem Basrelief ein armenisches Kreuz zu sehen. Diese scheinen jedoch später zerstört worden zu sein. Die Abdrücke der oberen und unteren Kreuzteile sind noch gut zu erkennen.

 

              Auf der kleinen Abbildung rechts habe ich das scheinbar fehlende, armenische Kreuz eingezeichnet. Sie sehen hier das Beispiel eines  klassischen armenischen Kreuzes.

Ruinen in der Nähe des Westeingangs.

Fragment von Zhamatun. Das ist alles, was von der Surp Nerses Kirche noch zurückgeblieben ist.

Eine der Höhlen innerhalb der Festung.

Auf dem rechten Foto ist Ferhat, der Urheber des Fotos, zu sehen. Er weist auf ein kreuzförmiges Fenster.

Halfeti,

die halb überschwemmte Stadt am Euphrat.

Der Autor bedankt sich ganz herzlich bei Ferhat Utkun für seine Unterstützung.

Diese Seite wäre ohne seine Fotos wohl nicht entstanden.

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